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Morbus Sudeck (CRPS Typ 1)

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Schon an der Vielfalt der verschiedenen Namen (Algodystrophie-sympathische Reflexdystrophie), die für diese Krankheit in der Fachliteratur verwendet werden, erkennt man ihre Komplexität. Um weltweit zu einem einheitlichen Namen zu kommen, verwendet man auch immer öfter den Begriff  "komplexes regionales Schmerzsyndrom" (CRPS Typ I). Ohne sofortige intensive Therapie ergibt sich das Risiko, dass die Erkrankung chronisch wird.

Patienten, die an einem Morbus Sudeck (CRPS Typ1) erkrankt sind, haben sehr starke anhaltende Schmerzen in einem ihrer Gliedmaße (Finger, Hand, Puls, Arm, Schulter, Fuß, Sprunggelenk und Unterschenkel). Oft verschlimmern sich die Schmerzen durch eine leichte Berührung oder Druck. Dazu gibt es Ödeme, eine veränderte Hautfarbe, eine gestörte Durchblutung, ein Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems (Schweißproduktion) und einen Knochen- und Muskelabbau. Um zu vermeiden, dass die Erkrankung chronisch wird, ist eine frühzeitige Diagnose und sofortige intensive Therapie absolut notwendig.

In Deutschland beschränken sich die Ärzte meistens auf eine sogenannte multimodale Schmerztherapie, bei der verschiedene Behandlungsformen zur Schmerzbekämpfung miteinander kombiniert werden.

Wie werde ich die Schmerzen in meiner Extremität los?

Doch es geht auch anders!
Wir konzentrieren uns bei der Therapie vor allem auf die Behandlung der dahinterliegenden Mechanismen, die einen Morbus Sudeck (CRPS Typ1) auslösen oder verschlimmern können. In der Folge kommt es zu einer schnelleren und besseren Heilung.

Symptome

Anhaltende Schmerzen in einem Körperteil!

Bei jedem Patienten, der einen anhaltenden Schmerz in einem seiner Extremitäten verspürt, sollte man immer einen Morbus Sudeck (CRPS Typ1) ausschließen, insbesondere wenn auch noch Faktoren vorhanden sind, die das Auslösen begünstigen können.

Klassisch unterscheidet man in der Entwicklung eines Morbus Sudecks (CRPS) drei Phasen:

Phase 1, oder die heiße Phase
Die ersten Symptome eines Morbus Sudecks (CRPS Typ1) sind stark brennende Schmerzen, die sich durch Bewegung verschlimmern. Dadurch wird man den betroffenen Körperteil immer weniger beanspruchen, wodurch er steifer wird, was wiederum in einer Abwärtsspirale enden kann. Progressiv entsteht eine Entzündung des betroffenen Körperteils, die durch Rötung, Überwärmung und Schwellung gekennzeichnet wird. Diese Entzündung ist typisch für die "heiße Phase" eines Morbus Sudecks (CRPS Typ1). Das Wachstum von Haaren und Nägeln beschleunigt sich. Benachbarte Hautbereiche fängen an übermäßig zu schwitzen. Im Durchschnitt dauert diese Phase 3 Monate an.

Phase II, oder die kalte Phase
In dieser Phase eines Morbus Sudecks (CRPS Typ1) gibt es eine progressive Verschlimmerung der Schmerzen. Die Haut schrumpft und wird blasser. Der betroffene Körperteil wird überempfindlich. Selbst sanfte Berührungen werden dann als Schmerzen wahrgenommen. Das Ödem nimmt immer mehr an Umfang zu und das betroffene Körperteil wird immer kälter. Häufig gibt es einen Haarverlust und die Nägel werden brüchig und bekommen Risse oder Streifen. Im Knochen kommt es zu einem erhöhten Knochenabbau, wodurch auf Dauer eine Osteoporose entsteht. Die Gelenke schwellen an und die Muskulatur baut progressiv ab. Im Durchschnitt dauert diese Phase eines Morbus Sudecks (CRPS Typ1) 3 bis 6 Monate.

Phase III, oder die Stabilisierungsphase
In dieser Phase eines Morbus Sudecks (CRPS Typ1) werden die Symptome irreversibel. Die Schmerzen breiten sich oft noch bis über das betroffene Körperteil hinaus aus und sind mittels regulären Schmerzmitteln kaum noch in den Griff zu bekommen. Die Muskulatur wird immer schwächer und die Funktion und Beweglichkeit der Gelenke bilden sich immer weiter zurück. Dadurch wird der Patient immer mehr behindert. Bei einem kleinen Teil der Patienten ist auf Dauer der ganze Körper betroffen.

Ursachen

Eine Reihe von Faktoren begünstigen das Entstehen eines Morbus Sudecks

Die Ursache eines Morbus Sudecks (CRPS Typ1) ist unbekannt, doch bei mehr als 80% der Patienten findet man zusätzliche Faktoren, die das Entstehen eines Morbus Sudecks begünstigen.

Der häufigste Auslöser (in bis zu 70% aller Fälle) ist ein Trauma oder eine Verletzung
Dabei kommen Brüche, Luxationen, Verstauchung, Verbrennungen, Wunden aber auch leichte Quetschungen in Frage.

Ärztliche Interventionen
Orthopädische Eingriffe (auch kleinere, wie Arthroskopie), Herz- oder Gefäßchirurgie, Immobilisierung durch Gips, schmerzhafte Physiotherapie, Punktionen und Infiltrationen.

Psychologisches Trauma
Wenn man in seinem Leben mal ein extrem belastendes Ereignis oder Trauma erlebt hat, wie z.B. ein schwerer Unfall, eine lebensbedrohliche Erkrankung, häusliche Gewalt, Gewalt durch Fremde, eine Vergewaltigung oder Kriegserlebnisse, gibt es ein deutlich erhöhtes Risiko an einem Morbus Sudeck (CRPS) zu erkranken.

Patienten, die an einem Morbus Sudeck (CRPS) erkrankt sind, haben häufig psychische Beschwerden, die durch eine normale menschliche Reaktion ausgelöst werden. Ständige starke Schmerzen und Behinderungen können sich auch auf die Psyche auswirken. Ängste, Panik und Depressionen sind bei Patienten, die an einem Morbus Sudeck (CRPS) erkrankt sind, auch eher die Regel als eine Ausnahme.

Erkrankungen
Rheuma, Herzkreislauf-, Lungen- und neurologische Erkrankungen

Schwangerschaft

Individuelle Faktoren
Rauchen, Fettstoffwechselstörungen und Überfunktion der Schilddrüse

Diagnose

Grundlage sind klinische Untersuchungen

Zuerst sollte man alle anderen Erkrankungen, die eine ähnliche Symptomatik hervorrufen, ausschließen. Dafür sind oft Untersuchungen wie Blutanalysen, Röntgen, CT und MRT notwendig.

Die eigentliche Diagnose eines Morbus Sudecks (CRPS Typ1) wird vor allem auf Basis der klinischen Untersuchung durchgeführt. Dabei prüft man, ob die vorhandenen Symptome zu einem Morbus Sudeck (CRPS) passen.

Um den Verdacht eines Morbus Sudecks (CRPS Typ1) zu bestätigen, gibt es leider keine einzige Untersuchung die zu 100% Sicherheit bietet. Um die Diagnose zu unterstützen, kann die Durchführung einer sogenannten 3 Phasen Skelettszintigraphie sehr hilfreich sein.

Mit der 3 Phasen Skelettszintigraphie kann man Änderungen in der Durchblutung und im Knochen diagnostizieren. Zu Anfang bekommt der Patient mittels einer Infusion ein Radionuklid (Technetium) verabreicht. Bei der 3 Phasen Skelettszintigraphie startet man die Aufnahmen schon während der Verabreichung des Radionuklides. Dadurch bekommt man ein Bild davon, wie sich die arterielle Durchblutung im betroffenen Körperteil verhält. In Phase I eines Morbus Sudecks (CRPS) hat die Durchblutung zugenommen, in Phase 2 abgenommen. Anschließend werden nach 5-10 Minuten wieder neue Aufnahmen gestartet, die einen Überblick darüber geben, wie sich das Radionuklid im venösen und im extrazellulären Raum verteilt hat. Nach 2–4 Stunden führt man dann die eigentliche Knochenszintigraphie durch, bei der man bei einem Morbus Sudeck (CRPS) in dem betroffen Körperteil an mehreren Stellen einen deutlich erhöhten Knochenabbau feststellt.

Auch eine Thermographie kann bei der Diagnose eines Morbus Sudecks (CRPS Typ1) hilfreich sein. Mittels dieser Untersuchung kann man die Temperaturänderungen eines Körperteils objektivieren.

Therapien

Welche Behandlungen machen bei einem Morbus Sudeck Sinn?

Unsere Erfahrung zeigt, dass eine reine Schmerztherapie oft nicht ausreicht!

Eine frühzeitige, intensive Behandlung ist absolut notwendig, um die Heilungschancen zu vergrößern. Weltweit gibt es große Unterschiede, welche Therapien dabei zum Einsatz kommen. Dies hängt damit zusammen, dass es kaum Studien bezüglich der optimalen Behandlung eines Morbus Sudecks (CRPS) gibt. Erfahrungsgemäß beschränken sich in Deutschland die Ärzte meistens auf eine sogenannte multimodale Schmerztherapie, bei der verschiedene Behandlungsformen zur Schmerzbekämpfung miteinander kombiniert werden. Doch es geht auch besser! Behandelt man gleichzeitig die dahinterliegenden Mechanismen, die einen Morbus Sudeck (CRPS) auslösen oder verschlimmern können, bekommt man eine schnellere und bessere Heilung. Dazu führen wir in unserer Praxis zusätzlich Therapien durch, die die Durchblutung regulieren, den Knochenabbau bremsen, die schädlichen freien Radikale einfangen und das vegetative Nervensystem ausgleichen.

Schmerzmittel
In der heißen Phase, in der es eine deutliche Entzündung gibt, können Entzündungshemmer helfen. Wenn diese nicht mehr ausreichen, kann man zusätzlich noch leichte opioide Schmerzmittel verwenden. Der Gebrauch von starken opioiden Schmerzmitteln wird nicht empfohlen! In chronischen Fällen, wobei die Schmerzen vor allem durch eine Schädigung der Nerven ausgelöst werden, verwendet man Medikamente, die normalerweise gegen Epilepsie genutzt werden. Mittels dieser Medikamente kann man diese sogenannten neuropathischen Schmerzen oft noch einigermaßen in den Griff bekommen.

Auch trizyklische Antidepressiva haben sich bei der Behandlung der Schmerzen eines Patienten, der an Morbus Sudeck (CRPS Typ1) erkrankt ist, bewährt.

Gefäßverengende Medikamente (Morbus Sudeck Phase 1)

Gefäßerweiternde Medikamente (Morbus Sudeck Phase 2)

Biphosphonate und Calcitonin (Morbus Sudeck Phase 1-2)
Biphosphonate und Calcitonin verbessern die Schmerzen und die Funktion des betroffenen Körperteils.

Antioxidantien (Morbus Sudeck Phase 1-2)
Antioxidantien fangen die schädlichen freien Radikale ein und bekämpfen so die Entzündung und vergrößern die Sauerstoffaufnahme in dem betroffenen Körperteil.

Prokain-Basen-Infusionen (Phase 2-3)
Prokain-Basen-Infusionen (hochdosiertes Prokain und Natriumbikarbonat) haben neben einer schmerzehmenden Wirkung auch noch eine anti-entzündliche , anti-oxidative und gefäßerweiternde Wirkung.

Infusionen mit DMSO (Phase 1)
Dimethylsulfoxid(DMSO) ist ein starkes Antioxidans, welches für seine schmerz- und entzündungshemmende Wirkung bekannt ist. DMSO blockiert die Weiterleitung von Schmerzen in die Nerven und entspannt die Muskulatur.

Infusionen mit hochdosiertem Magnesium (Phase 1-2)
Der Aufnahmemechanismus von Magnesium durch die Zellen im betroffenen Körperteil ist stark gestört. In den Zellen wird das verschwundene Magnesium dabei durch Kalzium ersetzt. In Folge dessen bekommt man Muskelkrämpfe, die auf Dauer schmerzhaft sind. Außerdem wird durch einen Magnesiummangel die Durchblutung gestört und das Entstehen von Entzündungen begünstigt!

Infusionen mit Anästhetika (Phase 2-3)
Wenn alle Therapien scheitern, gibt es noch die Möglichkeit Infusionen mit niedrig dosierte Anästhetika über mehrere Tage hinweg zu verabreichen.

Muskelkrämpfe
Benzodiazepinen oder Infusionen mit Muskelrelaxantien

High-Intensity-Lasertherapie (HILT)
Bei der High-Intensity-Lasertherapie wird ein Laser mit höherer Leistungsfähigkeit als bei der bekannteren Soft-Lasertherapie genutzt. Dadurch dringt das Laserlicht viel tiefer in Gewebe und Muskeln ein.

Physiotherapie
Physiotherapie ist wichtig, um die Funktion und Beweglichkeit des betroffenen Körperteils zu verbessern. Dabei kommen allermögliche Therapieformen, wie Massage, passive - oder aktive Mobilisierung, Balneotherapie und Wechselbäder zum Einsatz. Im Allgemeinen wird eine aktive und progressive Mobilisierung des betroffenen Körperteils empfohlen.

Ergotherapie
Mittels Ergotherapie lernt man, trotz seiner Behinderungen den Alltag, wie z.B. sich waschen oder etwas kochen, besser zu bewältigen. Dabei kommen oft verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz.

Schienen
Wenn durch den Morbus Sudeck (CRPS) die Hand überempfindlich geworden ist, oder deutlich weniger Muskelkraft hat, kann es notwendig sein, eine dynamische Schiene (Cock-Up) zu tragen.

Nerven- und Muskelstimulation
Eine Therapie mittels der sogenannten transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) aktiviert die körpereigenen schmerzhemmenden Prozesse im Nervensystem.

Psychologische Betreuung
Viele Patienten, die an einem Morbus Sudeck (CRPS) erkrankt sind, haben aufgrund ihrer Schmerzen und Behinderungen Ängste, Panik oder Depressionen. Weil diese Symptome den Heilungsprozess verzögern, sollten sie unbedingt mitbehandelt werden.

Die interventionelle Schmerztherapie

Wenn man schon über ein Jahr unter starken Schmerzen leidet, auf die kein einziges Medikament mehr anspringt, kann die interventionelle Schmerztherapie in bestimmten Fällen noch Abhilfe bringen!

Blockade des Sympathikus
Mittels dieses Verfahrens blockiert man die Ganglien (eine Ansammlung von Nervenzellkörpern) des sympathischen Nervensystems, welche die betroffenen Körperteile ansteuern. Dadurch wird die Weiterleitung der Schmerzen zum Gehirn blockiert. Diese Ganglien liegen verbreitet beidseits der Wirbelsäule.

Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation (SCS)
Bei diesem Verfahren wird das zentrale Nervensystem, mittels einer Elektrode, auf Rückenmarksebene stimuliert. Dadurch wird die Schmerzweiterleitung zum Gehirn ausgeschaltet.

Schmerzpumpe
Über einen Katheter werden in den Liquorraum, welcher das Gehirn und Rückenmark umgibt, mittels einer Schmerzpumpe direkt Medikamente wie Opiode oder Lokalanästhetika verabreicht.